Ave Maria (Hedwig am Gnadenbilde)

F. Abt

Heil'ge Jungfrau, neigt die Nacht,

Neig' dich friedend ihrem Gleise;

Schwache Hände hebt die Waise,

Mild in deinen ruht die Macht.

Lichten Sternenkranz im Haar,

Aber tief ein Schwert im Herzen,

Schwebst du, Mutter unsern Schmerzen,

Königin der Engelschaar.

Ave Maria!

Durch die Himmel schwingt ein Hauch

Wie ein Duft von Maienglocken,

Wie ein träumendes Frohlocken,

Ros' um Rose springt am Strauch;

Sehnen, Bangen sind erwacht: --

Heil'ge, senke deinen Frieden;

Aus der Sternen goldnen Liden

Bricht der Liebe Osternacht.

Ave Maria!

Blumen, ob sie Thränen sind,

Duft'ge Thränen, die ich streue?

Neig' dein Aug', das muttertreue;

Unter Blumen kniet dein Kind.

Heil'ge, du ihr Thau und Schein,

Ihren Frühling hilf behüten,

Oder brich sie unter Blüthen,

Eine Knospe, blüthenrein!

Ave Maria!