Bald ist verträumt der Kindheit Traum

F. Abt

Ein weinumranktes Hüttchen stand

in Waldes Mitt',

drin tat ich an der Mutter Hand

den ersten Schritt.

Ein Vöglein hüpfte durch den Baum,

das sah mir zu und sprach:

Bald ist verträumt der Kindheit Traum,

dann tust du mir es nach.

Bald ward der Knabe stark und groß

im Waldbereich,

sprang froh umher auf weichem Moos,

dem Rehlein gleich.

Die Vöglein sangen aus dem Baum:

Genieße froh dein Glück,

bald ist verträumt der Jugend Traum

und kehrt dir nie zurück!

Heut' streif' ich durch den weiten Wald

als Jägersmann,

das Hifthorn tönt, die Büchse knallt

im Waldesbann.

Und fällt im Herbst das Laub vom Baum,

dann ruft mir's mahnend zu:

Bald ist verträumt des Lebens Traum,

dann gehst auch du zur Ruh'!

Und soll ich einst gestorben sein,

hört meine Bitt':

Dann bettet mich zur Ruhe ein

in Waldesmitt'!

Rauscht leis' der Wind das Laub am Baum,

singt's Vöglein auf der Gruft,

dann träum' ich meinen letzten Traum,

bis mich der Schöpfer ruft.