Bald wird der Tag sich neigen

F. Abt

Bald wird der Tag sich neigen

Und stiller liegt das Thal,

Schon träumet auf den Zweigen

Der Sonne müder Strahl.

Die goldnen Lichter funkeln

Und blitzen durch's Geäst,

Doch will's im Wald schon dunkeln,

Der Vogel schläft im Nest.

Und Abendglockenklänge

Ertönen fernher sacht

Wie heilige Gesänge

Voll wunderbarer Macht.

Die Welt scheint rings zu lauschen,

Und durch das Schweigen geht

Nur heimlich Quellenrauschen,

Als wär's ein fromm Gebet.

Kein Laut sonst. An den Ranken

Nicht regt sich's, nicht am Strauch,

Kein Blättchen seh' ich schwanken,

Ich spüre keinen Hauch.

Mein Herz, das der Beschwerden,

Des Grames gern vergißt,

Gestehe, daß auf Erden

Auch schon ein Himmel ist!