Behüte dich Gott

F. Abt

Wie war mir so bang als vom Liebchen ich schied,

Vom Liebchen so minnig, so hold;

Die Wehmuth umfaßte so ganz mein Gemüth,

Als die Thräne dem Aug' ihr entrollt:

"O mußt du denn scheiden, mußt wandern noch heut

In die Welt, in die kalte, so weit, ach! so weit!

Gedenk in der Ferne noch oftmals zurück

An dein Liebchen im Thal, an entschwundenes Glück --

Behüt', ach, behüte dich Gott!"

Nun zog ich wohl fort in die Weite dahin;

Doch denk ich, mein Liebchen, noch dein.

Oft wähn ich im Traume, daß bei dir ich bin,

Im Stübchen, so traulich, so klein.

Dann dünkt mir's, du flehest mit frommem Gemüth

Zum ewigen Vater: "Behüt', ach! behüt'

Den Theuren: o Himmlischer, schirme mein Lieb,

Daß auch in der Ferne mir treu er verblieb --

Behüt', ach! behüt' ihn, o Gott!"

Jetzt treibt mich ein Sehnen, ein namloser Schmerz

Von Scholle zu Scholle ohn' Ruh!

Doch wo ich auch wand're, bei dir ist mein Herz,

Treuliebchen, du einzige, du!

Und ist erst die Zeit meines Wanderns vorbei,

Dann kehr ich zurück zu dem Liebchen, so treu,

Und schließe an's Herz sie und jauchze voll Freud:

Auf ewig bist mein nun, du süßeste Maid --

Behüt', ach! behüte dich Gott!