Das eigne Herz

F. Abt

Was ist das Herrlichste in unserm Sein,

Was schließet wohl in dunkle kleine Räume

Den höchsten Schmerz und Höllenquallen ein,

Und Erdenglück und Paradieses-Träume;

Was schlägt so hoch bei reiner Freud' und Lust,

Was ist so leicht, so innig zu betrüben?

Das ist das Herz in uns'rer Brust,

Mit seinem Hoffen, seinem Lieben.

Da drinnen wohnt dein ganzes Erdenglück,

Verstehest du das Heilige zu wahren,

Wohin du immer richtest deinen Blick,

Wirst nirgends du was Schöneres gewahren,

Und dankend sagen, froh dir selbst bewußt,

Das Herrlichste, das Seligste hinieden

Ist doch das Herz in seiner Brust,

Mit seinem Schmerzen, seinem Frieden.

Sei überhäuft mit Ehre und mit Gold,

Mit Allem, was das Leben kann erringen,

Hab' eine ganze Welt in deinem Sold,

Und alles Äuß're möge dir gelingen,

Wenn aber du dabei entbehren mußt,

Was Friede nur allein vermag zu geben,

Ein redlich Herz in treuer Brust,

Bist du der Ärmste doch im Leben.

Wie reich dagegen, wenn ein Herz dir schlägt

In eigner Brust und in der zweiten wieder,

Wenn dich der Freund um deinen Kummer frägt,

Und mit dir singt der Freude hohe Lieder;

Wenn Kind und Gattin, deiner Lieb' bewußt,

In deinem Arm mit frohem Lächeln eilen,

Da mag dein Herz in seiner Brust

Mit keinem Gott den Himmel theilen.

Und wenn du einsam in dem Leben stehst,

Wenn vieles Liebe von dir weggeschieden,

Du sinnig still allein zum Ziele gehst,

Was gibt, Verlaßner, da dir dennoch Frieden?

Was tröstet dich ob jeglichem Verlust?

Das eine noch, was Armer dir geblieben,

Das treue Herz in deiner Brust

Mit seinem Hoffen, seinem Lieben.

So haltet denn das eigne Herz recht fest,

Das Schönste, was das Schicksal euch gegeben,

Und wenn euch viel, wenn Alles euch verläßt,

Das Herz allein bleibt euch getreu im Leben.

Es ist wohl eine, oft verkannte, Lust,

Recht sinnig still mit ihm allein zu sprechen,

Ein hohes Herz in warmer Brust

Kann nur, den Himmel hoffend, brechen.