Das, Freunde, nennt man Altern nicht
F. Abt
Es ist die Zeit ein alter Pflüger
Und unsre Stirn das Ackerland,
Worauf der listige Betrüger
Sein Netz von tiefen Furchen spannt.
Wir werden alt, wir werden älter,
Doch bleibt es innen hell und licht
Und wird dabei das Herz nicht kälter:
Das, Freunde, nennt man Altern nicht!
Wohl fühlen wir die Kraft entweichen,
Wohl wird die vollen Locke bald
Der rasche Lauf der Jahre bleichen,
Mit einem Wort: Wir werden alt.
Doch bei des Bechers hellem Klingen
Dem Morgen, der die Nacht durchbricht,
Ein Schelmenlied entgegen singen:
Das, Freunde, nennt man Altern nicht!
Wir tändeln nicht mehr mit den Schönen,
Ob uns ergötzt auch die Gestalt --
Der Lenz mit Scherz und Jubeltönen
Liegt hinter uns, -- wir wurden alt;
Doch die wir unser Liebstes hießen,
Treu innig bis das Auge bricht,
In uns're tiefste Brust verschließen,
Das, Freunde, nennt man Altern nicht!
Der Herbst entlaubt die müden Bäume,
Der Wandrer bebt, und winterkalt
Zieht durch das Herz und seine Träume
Der Schreckensruf: wir warden alt;
Doch, wenn uns Sorg und Gicht bekriegen,
Der Jugend liebliches Gedicht
Erinnernd noch einmal durchfliegen,
Das Freunde, nennt man Altern nicht!