Das Lied von der Flasche

F. Abt

Wenn ich sie von Ferne sehe,

Leuchtend in dem ros'gem Schein,

Zieht ein übergroßes Wehe

Mir in Herz und Busen ein.

Heißes Sehnen und Verlangen

Hält mich wunderbar umfangen,

Bis ich sie geherzt, geküßt,

Bis sie ganz mein eigen ist.

Ja, sie ist nicht kalt und spröde,

Wie so viele Schönen sind.

Ist der Freier nur nicht blöde,

Er sehr leicht ihr Herz gewinnt.

Glutenreich ist ihre Minne;

Süß verwirrt sie alle Sinne,

Wenn ich sie geherzt, geküßt,

Wenn sie ganz mein eigen ist.

Und so kosen wir zusammen

Tief bis in die Mitternacht;

Bis sie meines Herzens Flammen

Lichterloh hat angefacht,

Bis ich stammelnd, bis ich trunken

Ihr zu Füßen hingesunken,

Bis mein müdes Haupt vergißt,

Daß sie ganz mein eigen ist.