Daß mir eine Rose blüht
F. Abt
Habe gestern Nachts im Dunkeln
In die Augen dir geschaut,
Sah zwei Sterne drinnen funkeln,
Denen ich mein Glück vertraut!
Um mich her ein leises Wehen,
Als ob es im Lenze früht,
Und ich mußt' mir still gestehen,
Daß mir eine Rose blüht!
Und ich habe dann geträumet
Wunderlieblich dies und das,
Wie der Liebe Becher schäumet
Wie so klinget Glas an Glas!
Und ich fühlte, daß es lenzet
Wieder neu mir im Gemüth,
Sah beim Wein, der mir kredenzet,
Daß mir eine Rose blüht!
Wie beim Sang der Frühlingschöre
Bin ich heitern Sinns erwacht,
Hab', ob ich mich wohl bethöre,
Froh des süßen Traums gedacht;
Und ich hab' es tief empfunden,
Wie das Herz so liebend glüht,
Denkend in den Morgenstunden,
Daß mir eine Rose blüht!
Und es treibt in meinem Innern
Etwas mir die Brust so weit,
Welch' ein liebliches Erinnern
Bringt mir diese Seligkeit!
Ueber Nacht ist mir's gekommen,
Daß es Lieder in mir sprüht,
Denn ich hab' es still vernommen,
Daß mir eine Rose blüht!