Der Beichtzettel

F. Abt

Es wollt' ein Mädchen zur Kirche gehn,

Und beten und singen und Beichte stehn;

Sie hatte sich aufgeschrieben

Die Todsünden alle sieben.

Und als sie im Beichtstuhl zu knien begann,

Die Thrän' ihr herab von den Wangen rann:

„Ich will auch bessern mein Leben,

Wollt mir doch die Sünde vergeben!”

„Eh' ich dir die Sünde vergeben kann,

So zeig' mir erst die Sünden an!”

Sie konnte den Zettel nicht finden,

Wußte nichts von ihren Sünden.

Ich aber war's, der den Zettel fand,

Was aber drin für Todsünde stand?

Das kann ich keinem verkünden,

Es sind ja meine Sünden.

Die erste war: er liebt mich sehr;

Die zweite war: er liebt mich noch mehr --

So ging es fort bis zu sieben,

Und immer Lieben und Lieben.