Der Lindenwirth im Thale
F. Abt
Der Lindenwirth im Thale
Der hat ein niedlich Haus,
Es steht im grünen Rebgeländ',
Und sieht gar prächtig aus.
Stolz steht der Vater unterm Thor,
Ein blondes Mädel guckt auch hervor
Mit ihren blauen Äugelein, --
O Lindenwirth im Thale,
Hüte Dein Töchterlein!
Denn dort im Wald erscheinet,
Den längst die Sehnsucht trieb,
Ein junger, schmucker Jägersmann,
Der hat das Mädel lieb.
Du freilich darfst es wissen nicht,
Doch schau' nur an ihr roth Gesicht,
Schau' ihre blauen Äugelein, --
O Lindenwirth im Thale,
Hüte Dein Töchterlein!
Schlau ist von je die Liebe,
Und alle Tag wird's Nacht,
Da wird, wenn Du Dich schlafend dehnst,
Ihr Fenster aufgemacht.
Ein langer Kuß, den Niemand hört,
Ein süßes Plaudern, das Niemand stört,
Und zuschau'n darf der Mond allein, --
O Lindenwirth im Thale,
Hüte Dein Töchterlein!
Nun tritt schon in die Stube,
Der Jägersmann zu Gast,
O frag' ihn nicht, wo gestern er
Gehalten süße Rast.
Wie's alle Vätern geht, so geht's
Auch Dir, Dein Mädel, das versteht's
Mit ihren bluen Äugelein, --
O Lindenwirth im Thale,
Hüte Dein Töchterlein!