Die Augen geh'n mir über

F. Abt

Wenn ich in unbewölkter Höh

In klarer Himmelsbläue

Die lieben Sterne wandeln seh

Mit altgewohnter Treue: --

Dann wird es licht, was trüb und trüber

Mir hüllte Sinn und Leben ein --

Die Augen gehn mir beide über,

Es muß vor lauter Freude sein!

Wenn ich die Blümlein auf der Au

Erblick' bei meinem Wandern,

So fromm und mild, als ob vertrau'

Das eine still dem andern: --

Da wird mir lieb und immer lieber

Ein jedes kleine Blümelein --

Die Augen gehn mir beide über,

Es muß vor lauter Freude sein!

Wenn ich ihr blicke still in's Aug'

Und weislich es verhehle,

Und weiter noch und tiefer auch

Bis auf den Grund der Seele: --

Dann schlägt mein Puls, als wie im Fieber,

Und doch empfind' ich keine Pein --

Die Augen gehn mir beide über,

Es muß vor lauter Freude sein!

Wenn ich mir blicke selbst in's Herz

Und seh die tiefe Wunde,

Die mich durchzuckt mit süßem Schmerz

In jeder Lebensstunde: --

Dann schlag' ein Kreuz ich segnend drüber

Und weih' sie so auf ewig ein --

Die Augen gehn mir beide über,

Es muß vor lauter Freude sein!