Die einsame Rose

F. Abt

Das Röslein steht am Felsenrand

Auf steilen Bergeshöh'n,

Dort blüht es einsam, nicht gekannt,

Und duftet doch so schön.

Es blicket weit hin in das Land,

Wo seine Schwestern stehn,

Und wird auf steiler Felsenwand

Von unten kaum gesehn.

Doch blüht es weiter, wär' es auch

Für Sonne nur und Luft,

Und füllt ringsum durch seinen Hauch

Den Raum mit süßem Duft.

Und du, mein Herz, da einsam, fern

Von andern Herzen schlägt --

Was soll dein Sehnen, das so gern

Dich in die Ferne trägt?

Was zieht dich so gewaltsam fort,

Zu Lieb' und Leid zurück?

Genügt dir, wie dem Röslein dort,

Nicht hier ein stille Glück?

So schlage denn zu And'rer Lust,

Bis du zur Ruhe gehst,

Und dann in lieberfüllter Brust

Gebrochen stille stehst.