Die fernen Lieben
F. Abt
Wenn die Sonne sanft und milde
Niedergeht im Abendreich,
Streif' ich manchmal durch's Gefilde,
Und ich denke dann an Euch.
Nach der Gegend blick' ich drüben,
Wo die blauen Berge steh'n,
Um die Heimath meiner Lieben
In der Ferne zu erseh'n.
Um die Wünsche zu bestellen,
Die die Seele mir durchglüh'n,
Streu' ich Blumen in die Wellen,
Die zu Euch hinüberzieh'n.
Durch die Lüfte send' ich Grüße,
Die der Sehnsucht Bothen sind,
Und der Liebe heiße Küsse
Geb' ich auf dem Abendwind.
Aber unerwiedert blieben
Gruß und Kuß noch jederzeit,
Und mich hat von meinem Lieben
Eine Antwort nie erfreut.
Darum muß ich, zweifelnd, fragen:
Ward Euch wohl mein Gruß bestellt?
Hat die Luft ihn hingetragen?
Hat der Bach von mir erzählt?
Hat mit meinen heißen Küssen
Euch erreicht der Abendwind?
Ach, wie gerne möcht' ich wissen,
Ob sie treue Bothen sind!