Du mein Heimathsthal

F. Abt

Hoch vom Himmel droben fällt ein goldner Schein

Auf die Erde hin, mir ins Herz hinein;

Am Gebirge drüben strahlt es hell und licht, --

Aber meine Thränen trocknen nicht.

O du liebes Thal, du mein Heimathsthal,

Säh' ich dich nur noch ein einzigs mal.

Wenn das Klosterglöcklein schlägt um Mitternacht,

Hab' ich tausendmal an mein Lieb gedacht,

An den Fiedelschall und an die Lieder all,

Die da trug zu mir der Wiederhall.

O du schönes Thal, du mein Heimathsthal,

Säh' ich dich nur noch ein einzigs mal.

Wenn der Holder blühte und die Amsel sang,

Wenn am Abend hell dann die Glocke klang,

Wallt' ich glücklich mit ihm Hand in Hand umher --

Ach, mein Herz, mein Herz wird mir so schwer.

O du schönes Thal, du mein Heimathsthal,

Säh' ich dich nur noch ein einzigs mal.

Mit den Lämmlein spielten wir am grünen Rain,

Wenn der Guckuck rief aus dem nahen Hain,

Aus dem Fenster sah des Vaters weißes Haupt:

Alles, Alles ist mir nun geraubt.

O du liebes Thal, du mein Heimathsthal,

Säh' ich dich nur noch ein einzigs mal.

Auf dem Kirchhof dorten blühten Röselein,

Doch der Kreuzgang hier starrt von kaltem Stein,

Und die Nonnen weinen nicht um meinen Tod,

Aber meine Auge sind so roth.

O du liebes Thal, du mein Heimathsthal,

Säh' ich dich nur noch ein einzigs mal!