Ein Römer stand in finstrer Nacht

F. Abt

Ein Römer stand in finstrer Nacht

am deutschen Grenzwall Posten,

fern vom Kastell war seine Wacht,

das Antlitz gegen Osten.

Da regt sich feindlich 'was im Fluß,

da schleicht und hallt was leise...

Kein Päan von Horazius,

ganz wildfremd war die Weise:

"Ha', hamm', hammer dich emol,

emol, emol an dei'm verriss'ne Kamisol,

du schlechter Kerl, du schlechter Kerl!"

An eine Jungfrau Chattenstamms

hat er sein Herz vertändelt

und war ihr oft im Lederwams

als Kaufmann zugewandelt.

Jetzt kam die Rache... ein, zwei drei!

Jetzt war der Damm erklettert..

Jetzt kam's wie wilder Katzen Schrei

und Keulenschlag geschmettert:

"Ha, hamm usw."

Er zog sein Schwert, er blies sein Horn,

focht als geschulter Krieger,

fruchtlos war Mut und Römerzorn,

die Wilden blieben Sieger.

Sie banden ihn und trugen ihn

wie einen Sack von dannen;

als die Kohort am Platz erschien,

scholl's fern schon durch die Tannen:

Ha, hamm usw."

Versammelt war im heil'gen Hain

der Chatten Landgemeinde,

ihr Odinsjulfest einzuweihn

mit Opferblut vom Feinde.

Der fühlt sich schon als Bratenschmor

in der Barbaren Zähnen,

da sprang sein blonder Schatz hervor

und rief mit heißen Tränen:

"Ha, hamm usw."

Und alles Volk sprach tiefgerührt

ob solcher Wiederfindung:

"Man geb' ihn frei und losgeschnürt

der Freundin zur Verbindung!

Nimmt sie ihn hier vom Fleck als Frau,

sei alle Schuld verziehen.

"Und heut noch wird im ganzen Gau

als Festbardit geschrieen:

"Ha, hamm usw."