Ein Wandrer

F. Abt

Ein Wand'rer schreitet durch die Nacht,

Sein Auge sucht die Sterne;

Der Heimat hat er still gedacht

In weiter, weiter Ferne;

Das Herz schlägt ihm so sehnsuchtsbang,

Er lauscht, ein fernes Glöcklein klang,

Das mahnet ernst zum Beten.

Und vorwäts eilt er, näher schon

Hört er die Glocke schlagen,

Ihm klingt so heimatlich der Ton

Wie in den goldnen Tagen,

Wo er ein Kind an Mutterhand,

Zum Dom gewallt im Festgewand,

Zu singen und zu beten.

Und schmerzlich ist sein Herz entbrannt,

Er fühlt, was er verloren,

Seit er von Gott sich abgewandt

Und sich die Welt erkoren.

Und wie er seufzt: "Erbarme dich!"

Ist ihm, als hört' er neben sich

Die Mutter leise beten.