Eine Maiennacht

F. Abt

Es legt um Busch und grüne Gipfel

Die laue Nacht so sanft den Arm,

Stumm werden liedervolle Wipfel

Und Schlummer wieget ein den Harm.

O Nacht, du heil'ge Nacht!

O Nacht, du stille Nacht!

Wer hat dich doch so reich bedacht!

Als wollt' er leis zum Beten wecken

So summet, fernem Läuten gleich,

Ein Käfer noch zu duft'gen Hecken

Und sucht sein Blütenbett so weich.

O Nacht, du heil'ge Nacht!

O stille Maiennacht!

Wie hat dich Gott so reich bedacht!

Und drüber hin zieh'n Silbersterne

So sicher durch die dunkle Welt,

Wie Pilger in der weiten Ferne,

Die fest ein treuer Führer hält.

O Nacht, du heil'ge Nacht!

O Nacht, du stille Nacht!

Wer hat dich doch so reich bedacht!