Ich grüsse dich

F. Abt

Das ist ein Duft, das ist ein Klang,

Als wie zu Maientagen,

Die Rose, die den Dichter berauscht,

Die Nachtigall, der beglückt er lauscht,

Sie weht, sie lockt in Deinem Sang,

Er scheucht das bange Zagen,

Ob eisigem Sturm's mit flockigem Fall

Der Winter auch had're und tose:

Ich grüße Dich, duftige Nachtigall,

Ich grüße Dich, singende Rose!

Und wer Dich sieht, und wer Dich hört,

Gestillt ist sein Verlangen,

Du singst das sehnende Herz zur Ruh',

Du lächelst ihm neues Leben zu,

Er will nur ewig ungestört

An Deinen Lippen hangen,

Zum Abschied ruft er mit jubelndem Schall

In die Welt, in die freudenlose:

Ich grüße Dich, duftige Nachtigall,

Ich grüße Dich, singende Rose!

Und wer Dich läßt, wer von Dich schied,

Wohl ist sein Sinn beklommen,

Doch ihn umkoset der Rose Duft,

Die Nachtigall flötet in weicher Luft,

Er hat den Lenz in Deinem Lied

Mit sich hinweg genommen,

Und traulich umklingt ihn der Widerhall

In des Glück's, in des Kummers Schoose:

Ich grüße Dich, duftige Nachtigall,

Ich grüße Dich, singende Rose!