Lenz und Turnen

F. Abt

Seht, wie die Knospen sprießen

Aus jedem Zweig heraus,

Wie murmelnd Quellen fließen

Aus ihrem Mutterhaus.

So herrlich frohes Leben,

Die Brust so frei, so weit:

Das ist des Frühlings Leben,

Das nur der Lenz verleiht.

Sieh dort die Turngesellen,

Auch sie treibt Frühlingskraft,

Auch ihre Glieder schwellen

Wie Reb' im Lenzessaft;

So über Reck und Barren,

Wirkt das nicht hohen Mut?

Ihr wacker rüst'gen Scharen,

Steht unsern Marken gut.

Der Frühling in den Landen

Und starke Jugendkraft,

Und Schild und Wehr bei Handen

Ist, was uns glücklich macht.

Wir ringen treu und bieder

Für Gott und Vaterland,

Und jauchzen Siegeslieder

Vom Thal zur Alpenwand.

Da zieh'n wir auf die Matten

Und schließen lange Reih'n

Im kühlen Lindenschatten

Und dreh'n uns flink und fein.

Wir tanzen muntre Reigen,

Wie geht es hübsch exact!

Und fehlen auch die Geigen,

Wir bleiben doch im Takt.

Die Vöglein musizieren

Im dichten Blätterdach,

Die Fröschlein jubilieren

Am reich beblümten Bach;

Wir halten mit und singen,

Was nur die Brust vermag.

Dir gilt das frohe Klingen,

Du goldner Frühlingstag.