Mai und Liebe
F. Abt
Sei uns gegrüßt, du Frühlingszeit,
In deiner süßen Milde.
Du kamst auf Erden weit und breit
Aus schönem Gefilde.
Du rufst in unser Herz herbei
Die selig stillen Triebe.
CHORUS
Ach, einmal blüht im Jahr der Mai,
Nur einmal im Leben die Liebe.
Laut ruft's das Vöglein im Gezweig',
Leis' flüstert es die Welle,
Es richtet dieses Wort an Euch
Der Bach und auch die Quelle.
Sie allen rufen stets auf's Neu,
Daß nichts aus ewig bliebe,
Ach, einmal etc.
Der Lenz der Jugend dich erfreut,
Noch trägst du gold'ne Locken,
Jedoch es ändert sich die Zeit,
Bald kommen Silberflocken.
Dann ist die Herrlichkeit vorbei
Und Vieles erscheint dir trübe.
Ach, einmal etc.
Die Rose blüht in voller Pracht,
Süß duftet ihre Blätter,
Doch bald sie nicht mehr freundlich lacht,
Zerstört ist sie vom Wetter,
Und ihre Schönheit ist vorbei,
Scheint jetzt verwelkt und trübe.
Ach, einmal etc.
Das Alter kommt und nur zu früh
Das Haar, die Wange bleichen,
Was wir gehofft, wir fanden's nie,
Wir konnten's nicht erreichen.
Schnell war die Jugendzeit vorbei,
Mit ihr die die süßen Treibe.
Ach, einmal etc.
Es streuet Blumen jedes Jahr
Der Lenz auf allen Wegen,
Bringt Rosen dir zur Gabe dar
Und holder Liebe segen.
Da laß die Sorgen all vorbei
Und schütze die zarten Triebe:
Ach, einmal etc.
Bald ist der süße Duft verhaucht,
Die rothen Rosen sterben,
Du siehst, was sonsts in Glück getaucht,
Nach kurzer Zeit verderben.
Dann ist's, als ob in's Herz die Reu'
Mit brennenden Lettern schreibe:
Ach, einmal etc.
Und ist dereinst dein Haar erbleicht,
So wirst du oftmals klagen,
Um ein vergang'nes Glück vielleicht
Aus ferner Jugend Tagen.
Wohl hast du einmal froh und frei
Gedacht, daß es so bliebe:
Ach, einmal etc.
Doch auch der Herbst noch Freuden gibt
Und selbst des Winters Dräuen,
Drum wolle, wenn du einst geliebt,
Noch später drob dich freuen!
Die Rose blüht, dann ist's vorbei,
's ist keine, die uns bliebe.
Ach, einmal etc.