Mein Kind
F. Abt
Ich sah des Meeres heil'ge Fluth,
Der Alpen schneegekrönte Pracht,
Ein Pilger war ich in der Gluth
Des Gleichers und in Nordlands Nacht;
In Ost und West schaut' ich das Licht
Und vieler Völker Kunst und Brauch,
Und dennoch Schön'res fand ich nicht,
Als meines Kindes blaues Aug'.
Mir hat geleuchtet mancher Stern
Und Seligkeit mein Herz geschwellt;
Erlosch auch Vieles nah und fern,
Was ehdem mir den Tag erhellt:
Zufrieden bin ich, still und froh,
Ob Jahre schwinden wie ein Hauch,
Ich weiß, am Besten ist es so,
Zu schau'n in meines Kindes Aug'.
Und soll verblüh'n der gold'ne Traum
Winkt sterben mir Vergessenheit,
Ein einzig Blatt vom Lebensbaum
Sei, fortzugrünen, mir geweiht:
Daß in dem hohen Himmelssaal,
Entrückt der Erde Qualm und Rauch,
Erglänzen möge mir ein Strahl
Von meines Kindes liebem Aug'.