Mein Lieb', du schüchternes Reh

F. Abt

Mein Lieb, mein Lieb, du schüchternes Reh,

Was blickst du so scheu mich an,

Wenn ich ins erglühende Auge dir seh',

Als hätt' ich dir Leides gethan?

Wohl bin ich ein Weidmann, manch' Rehlein im Wald

Das sank in sein Blut so roth --

Doch diesmal hast du mich selber bald

Getroffen bis zum Tod!

Was soll mir das blühende Waldrevier,

Was soll mir das scheue Wild?

Meinen frohen Muth, ich verlor ihn bei dir,

Du liebliches Frauenbild.

Ich lasse das Rehlein am Waldquell gehn,

Lass' fliegen den Geier im Wind,

Mag einzig nur dir ins Auge sehn,

Und ruhen bei dir, mein Kind!

Nun halt ich dich fest, -- o seliger Kuß,

Die Zweige, die flüstern so traut,

Sie grüßen mit ihrem frölichsten Gruß,

Dich, -- liebliche Jägerbraut!

Wie klar und blau dein Auge mir tagt!

Es faßt mich ein süßes Weh, --

Du hast dir den muthigsten Jäger erjagt,

Mein Lieb, du schüchternes Reh!