Mein Liebchen

F. Abt

Mein Liebchen gleicht dem Morgentau,

der frisch und hell die Flur erquickt,

doch gleicht es auch dem Himmelsblau,

das lieblich mild herniederblickt.

Es gleicht dem gold'nen Sonnenstrahl,

der Leben weckend uns umfließt,

und gleicht den Blümchen all im Tal,

mit denen uns der Frühling grüßt.

Mein Liebchen gleicht dem süßen Licht

des Monds in einer Maiennacht,

dem Lüftchen, welches kosend bricht

im Lenz in grüne Waldespracht.

Es gleicht der tiefen Meeresflut,

unendlich wie die Ewigkeit,

und gleicht auch wieder jener Glut,

die uns des Südens Traube beut.

Mein Liebchen gleicht dem Abendrot,

das blitzend durch die Zweige glüht,

auf blauem See dem schlanken Boot,

das träumend stille Bahnen zieht,

der Nachtigall und ihrem Lied,

das liebeatmend schallt,

dem Wasser, das vom Felsen sprüht

im grünen, märchenduft'gen Wald.

Mein Liebchen gleicht dem Edelstein,

gefasst in leuchtend lichtes Gold,

ja, mehr als das, den Engelein

so rein, so liebesüß und hold.

Mein Liebchen gleicht dem Paradies,

wo Sel'ge vor den Göttern steh'n.

In aller Welt ist nichts so süß

als wie mein Liebchen, nichts so schön!