O weine nur
F. Abt
Wer eine Thräne weinen kann
So recht von tiefem Herzen,
Dem wird ein Heil, es sinkt der Bann
Der allerherbsten Schmerzen.
Gleich düstern Wolken löst sich's auf --
Es zieht der Trost als Sonn' herauf --
O weine nur, o weine!
Ein Weltmeer ist die Thräne klein,
Ton Tiefe unermessen --
Es wallen auf der Flut herein
Das Hoffen und Vergessen.
Tief unten ist versenkt ein Bild,
Und oben grüßen Blumen mild --
O weine nur, o weine!
So wie ein Lieb' in stiller Zell'
Besucht sie dich alleine,
Und küßt die Wang', die Thräne hell,
Wie sie so treu ist keine!
Wohl weckt die Lieb' auch Scheu und Scham,
Doch Heil, wem sie in Ehren kam --
O weine nur, o weine!