Osterfeier

F. Abt

Wenn die Osterglocken klingen

Durch das stille Thal,

Und im Dom sie Lieder singen

Herrlich im Choral:

Dann läuten auch unten im Wiesenthal

Schneeglöckchen so silbern allzumal;

Sie läuten die Blümchen wach

Nach langem Wintertag!

Wenn das Grab des Herrn erdröhnet

Von des Ew'gen Ruf,

Der die Welt mit dem versöhnet,

Der sie einst erschuf:

Dann brechen auch alle die Gräberchen auf,

Wo Fliegen und Käfer schlafen zu Hauf,

Der Ruf trifft auch ihr Ohr,

Sie eilen zum Licht hervor.

Wenn ein Lichtmeer sich ergießet

In die Felsengruft,

Und ein Quell sich hier erschließet

Der zum Leben ruft:

Dann brechen auch tausend Flämmchen hervor

Aus Ästen und Zweigen; -- den Wiesenflor

Bethaut der belebende Quell;

Und wecket die Gräserchen schnell!

Wenn sie dann zum Grabe eilen,

Und der Engel spricht:

"Wollen hier nicht länger weilen;

Christus stirbt ja nicht!"

Dann eilet das Kind auch froh hinaus

In's große, herrliche Gotteshaus!

Und der Ew'ge im Blüthenflor

Zieht es liebend zu sich empor.