Oybin
F. Abt
Es grüßt mit Trauermiene,
Von Tannen ernst umrauscht,
Die alte Burgruine,
Die ihrer Vorzeit lauscht.
Sie thronet hocherhaben
Im Felsgeklüfte drin,
Vorüber ziehn die Raben,
Es klingt vom Oybin:
Requiem aeternam
Dona eis domine!
Et lux perpetua eis,
Ut in resurrectionis gloria!
Einst zogen hier die Ritter
Zur Fehde tückisch aus,
Bis daß ein Kriegsgewitter
Sie schlug im blut'gen Strauß.
Dann ward zum Pilgerorte
Die Burg, o frommer Sinn,
Man hört der Priester Worte
Vom Berge Oybin:
Requiem aeternam
Dona eis domine!
Et lux perpetua eis,
Ut in resurrectionis gloria!
Das Kloster ist zerfallen
Auch längst mit Weh und Ach.
Der Kirche hohen Hallen
Deckt nur des Himmels Dach.
Doch Nachts in später Stunde
Hebt unterm Baldachin
Ein Sanctus an, als Kunde
Vom heil'gen Oybin:
Requiem aeternam
Dona eis domine!
Et lux perpetua eis,
Ut in resurrectionis gloria!
Des Friedhofs Geister steigen
Aus Gräbern still empor,
Um betend sich zum neigen
Am Hochaltar im Chor.
Der Mond nach alter Weise
Zieht leuchtend drüber hin,
Ein Todtenamt klingt leise
Im Kloster Oybin:
Requiem aeternam
Dona eis domine!
Et lux perpetua eis,
Ut in resurrectionis gloria!