Schön Kläre
F. Abt
Die Sterne erglänzten in zaubrischer Pracht,
Und lauschig und warm war die mondhelle Nacht;
Der Kahn auf der grünblauen Meerwelle trieb;
Drin kos'te der Fischer sein herziges Lieb,
Kläre, Schön-Kläre.
Da sieht sie der Meermann aus felsiger Hall,
Der Meermann tief unten im Schloß vom Krystall:
"Dein' Augen sind blauer, als himmlisches Blau,
Dein' Lippen viel röther, als Rosen im Thau,
Kläre, Schön-Kläre."
-- Es wird ihm so wonnig, es wird ihm so warm;
Er streckt aus den Wellen den schneeweißen Arm;
Er greifet nach ihr und er herzet sie sacht;
Er zieht sie hernieder in meertiefe Nacht:
"Kläre, Schön-Kläre!"
Nun kleiden die Nixen sie hochzeitlich ein;
Sie singen gar seltsame Braut-Melodei'n.
Und gehst du zu Abend am Meere entlang,
Dann hörst du es lispeln, wie Hochzeitsgesang:
"Kläre, Schön-Kläre!"