Trinklied aus „Till Eulenspiegel“
F. Abt
O trink dich müd' und küss' dich satt,
wo Krug und Lippen winken,
doch jedes sei an seiner Statt,
das Küssen und das Trinken.
Mit nassem Bart
ist keine Art,
an Liebchens Brust zu sinken.
Sitzt auf der Bank ihr bei dem Wein
mit Sang und Klang der Zither,
so könnt ihr drei, könnt hundert sein,
ob Knappen oder Ritter;
beim Minnespiel
ist schon zuviel
der beste Freund als Dritter.
Der schönste Klang auf Erden doch
ist Gläserklang zu tauschen,
doch einen schön'ren weiß ich noch,
dem lieb' ich wohl zu lauschen,
wenn auf dem Sand
ich das Gewand
der Liebsten höre rauschen.
Greif' munter zu! Hie Weinesgold
macht sinnen dich und reden,
hie Purpurlippen frisch und hold
wie Frucht vom Garten Eden.
Doch hüt' dich fein,
nicht jeder Wein,
nicht jeder Mund für Jeden!