Über das Meer
F. Abt
Sie stand an ihres Geliebten Hand,
erfüllt von stummem Weh'
und schaute vom hohen Schiffesrand
weit hinaus in die wogende See.
"O fürchte dich nicht, geliebtes Herz,
ich führ' dich zum fernen Strand,
wo die Träne versiegt, wo schweigt der Schmerz,
in das neue Heimatland!"
Es braust der Sturm und es wallt die Flut,
und Blitze durchzucken die Nacht;
an der Brust des Teuren mit gläubigem Mut
der Gefahr hat sie nicht Acht.
"Dir allein, mein Freund, gab ich all mein Gut,
was ich habe und was ich bin;
ja, du führst mich getreu in sich'rer Hut
zu der neuen Heimat hin!"
Und als sie erreicht das ferne Land,
da ward auch der Reise Schluss;
der Engel des Todes am Lager stand
und begrüßt' sie mit bräutlichem Kuss.
"Ich fand eine Heimat an deiner Hand,
doch die rechte sollt's nicht sein;
so geh' ich ins ewige Vaterland,
in des Himmels Frieden ein!"