Unergründlich

F. Abt

Unergründlich sind die Lieder,

Die im Lenz den Wald durchklingen,

Auf den Zweigen hin und wieder

Rauscht's von leichten Vogelschwingen.

All die Sänger südwärts reisen

Trauernd bei des Jahres Wende,

Neuer Lenz bringt neuer Weisen, --

Und das Singen nimmt kein Ende!

Unergründlich sind die Blicke,

Die uns Liebchens Auge sendet,

Ob sie spricht, ob schweigend nicke,

Ob sie Lied, ob Wonne spendet,

Heute Thränen, Lächeln morgen,

Wer den ganzen Schatz doch fände,

Den es hält im Grund verborgen, --

Ach, das Schauen nimmt kein Ende!

Unergründlich ist die Wonne,

Die der Wein im Becher schenket,

In ihm sprüht der Glanz der Sonne,

Der verscheuchet, was uns kränket.

Ach, kein Tag erscheint dem Zecher,

Daß er nichts zu klagen fände,

Trost gewährt allein der Becher, --

Und das Trinken nimmt kein Ende!

Mädchenblicke, Lenzeslieder,

Weinesglut erfreu'n uns stündlich,

Und mit jedem Tage wieder

Dünken sie uns unergründlich.

Darum muß in tausend Weisen,

Wie sich aus das Leben wende,

Unser Lied die Dreie preisen, --

Und das Singen nimmt kein Ende!