Vergessen

F. Abt

Wenn tiefstes Weh die Seele drückt,

So darfst du nicht verzagen,

Glaub', daß nicht mehr der Himmel schickt,

Als du vermagst zu tragen!

Und schiene noch so groß der Qual

Und noch so unermessen,

Grüßt dich ein warmer Sonnenstrahl,

Wie schnell ist sie vergessen!

Doch auch wenn Jubel dich erfasst,

So lerne dich bescheiden!

Fortuna hält nur keine Rast,

Und flüchtig sind die Freuden;

Ob noch so groß die Seligkeit,

Das Glück, das du besessen, --

Schwand es dahin, -- nur kurze Zeit,

Und Alles ist vergessen!

Im bunten Wechsel treibt dich fort

Das Schicksal auf der Erden,

Ob Weinen hier, ob Lachen dort,

Es wird vergessen werden.

Und ruhst du unter kühlem Moos

Im Schatten der Cypressen,

O glaube mir, dann ist dein Loos:

Wie bald, wie bald -- vergessen!