Vogelsang

F. Abt

Wir wiegen uns spielend auf schwankenden Ästen,

Umsäuselt vom schmeichlerisch kosenden Westen,

Und hüpfen und schlüpfen mit munterem Sinn

Durch's heimliche Dunkel der Blätter dahin.

Wir nisten so friedlich und kosen und brüten,

Umduftet vom Hauche balsamischer Blüthen,

Und füllen, durchwärmet vom sonnigen Schein

Mit fröhlichen Liedern die Flur und den Hain.

O selige Freunde, o wonniges Leben,

Dahin durch die Räume des Himmels zu schweben,

Und frei aus den heiteren luftigen Höh'n

Das eitele Treiben der Menschen zu sehn!

Sie wimmeln und weben, sie kommen und schwinden,

Gleich irrenden Lichtern auf sumpfigen Gründen;

Wohl hätten sie lieber auch Flügel wie wir,

Statt unten zu kriechen im engen Revier!

Uns quälen nicht Sorgen, uns martert kein Kummer,

Es lispeln die Blätter uns leise in Schlummer,

Wenn Abends den Hain und das Blüthengefild

Der Dämmerung traulicher Schleier umhüllt.

Doch früh, wenn des Morgens belebende Strahlen

Die thauigen Blumen mit Purpur bemalen:

Dann geht es auf's Neue durch Wald und durch Feld

Hinaus in die freie, die herrliche Welt!

O selige Freude, o wonniges Leben,

Dahin durch die Räume des Himmels zu schweben,

Und frei aus den heiteren, luftigen Höh'n

Das eitele Treiben der Menschen zu sehn!