Vom Rhein

F. Abt

Wenn das Rheingold in der Sonne glüht

Und im Blütenschmuck das Ufer lacht,

Jede Welle gold'ne Funken sprüht,

Jedes Herz zu neuer Lust erwacht --

Ferner Glockenklang

Tönt vom Rebenhang,

Und im nahen Baum der Drossel Sang.

In der Morgenglut

Wie im Abendschein:

O wie wonnig ruht

Sich's am grünen Rhein!

Stolze Burgen auf den Felsenhöhn,

Blüh'nde Städte an des Stromes Rand,

Muntre Gäste, Mädchen frisch und schön,

Und ein volles gutes Glas zur Hand --

Schiffe klein und groß

Wiegt des Rheines Schooß,

Reißt das Herz von allen Sorgen los.

In der Morgenglut

Wie im Abendschein:

O wie wonnig ruht

Sich's am grünen Rhein!

Glücklich wer auf deiner Segensflur

Immer atmen darf, Du heil'ger Rhein!

Doch auch glücklich wem ein Kurzes nur

All Dein Zauber blüht in's Herz hinein!

Holde Sehnsucht schreibt

Tief sich ein und bleibt,

Daß es immer wieder zu Dir treibt!

In der Morgenglut

Wie im Abendschein:

O wie wonnig ruht

Sich's am grünen Rhein!