Waldabendschein
F. Abt
Am Waldrand steht ein Tannenbaum
Mit lustig schwankendem Wipfel,
Da schwingen sich, husch! zwei Vöglein drauf,
Zu oberst auf den Gipfel,
Und blicken hinab in den Wald hinein,
Und singen so laut, und singen so fein,
Weiß wohl, was euch Beiden so wohl gefällt,
Nicht Schöneres gibt's ja in Gottes Welt,
Als der Wald, als der Wald,
Im rothen, goldenen Abendschein!
O könnt' ich schauen mit euch hinab,
Ihr Vöglein, auf allen Schimmer,
Auf das funkelnde Grün, auf das zitternde Licht,
Auf das neckisch holde Geflimmer!
Und säh' ich wie ihr in die Pracht hinein,
Mit einem Mal, o wie schön müßt's sein!
Denn mir und euch Nichts so wohl gefällt,
Und Schöneres gibt's nicht in Gottes Welt,
Als der Wald, als der Wald,
Im rothen, goldenen Abendschein!
Und ist der letzte Sonnenstrahl
Spät aus dem Walde geschieden,
Und sinket hernieder die stille Nacht,
Mit ihrem seligen Frieden,
Da fliegen die Vöglein in's Nest hinein,
Und noch im Traume klingt es fein:
Viel Schönes gibt es, was uns gefällt,
Doch Schöneres gibt's nicht in Gottes Welt,
Als der Wald, als der Wald,
Im rothen, goldenen Abendschein!