Waldnacht
F. Abt
Wo wohnet aller Enden
An Wonnen wunderfalt'
So liebliches Verschwenden,
Als tief im dunklen Wald?
Dich grüß' ich, grüne Laubesnacht: --
All' Trauern mir zu wenden,
Deß hast du, süße Nacht.
Wie oft nach deinem Grunde
Mich trieb ein leiser Gram,
Vom Himmel ward mir Kunde,
Weil mir sein Friede kam.
Dich grüß' ich, kühle Waldesnacht: --
Auf daß mein Herz gesunde
In deines Domes Pracht.
Nach dem verlornen Eden
Bist du das weite Thor;
Dein Duft ist leises Beten
Und jedes Blatt ist Ohr.
Dich grüß' ich, heil'ge Waldesnacht:
Willst du vom Höchsten reden,
Ich lausch' in Angedacht.
Wenn wo der Schöpfer säumen
Und Sabbath halten mag,
So ist's in deinen Räumen,
Du dunkler Eichenhag.
Dich grüß' ich, stille Waldesnacht;
Will unten ruhn und träumen,
Du droben schauerst sacht.