Waldvöglein
F. Abt
Das Vöglein hat ein schönes Loos,
Wenn's Gott vertrauend, sorgenlos,
Im hellen Frühlingssonnenstrahl
Die Schwingen probt zum ersten Mal,
Zu singen anhebt wie im Traum,
Und neckisch hüpft von Baum zu Baum,
Wenn's immer höher dann sich hebt,
Und in den blauen Lüften schwebt.
Das Vöglein hat ein schönes Loos:
Auf neue Lieder sinnt's nun bloß;
O horch! wie's jubelnd aus der Brust
Ausschmettert all die Wonn' und Lust,
Die in der grünen Zaubernacht
Im jungen Herzen ihm erwacht,
Und wie's die erste süße Qual
Im Busche klagt dem Mondenstrahl!
Das Vöglein hat ein schönes Loos:
Wohin's nur will, fliegt's kummerlos;
Husch! wandert's durch die Lüfte fort
Mit seinem Lied von Ort zu Ort,
Dort überfliegt's den wilden Strom,
Und dort umkreist's den schlanken Dom:
Du glücklich Vöglein! was ich bitt,
Halt' an, halt' an! und nimm mich mit!