Weihelied

F. Abt

Freudig treten wir zusammen

Mit des Liedes hohem Gruß,

Und des Altars reine Flammen

Glühen dir, Gott Cynthius.

Dank dir Schlangenüberwinder

Für den Liedbegabten Mund,

Du vereintest deine Kinder

Zu Gesang und Bruderbund.

Ward das Schönste nicht der Loose,

Ward uns nicht die höchstes Lust? --

Für das Edle, für das Große

Schlägt wohl glühend manche Brust,

Doch es treibt ein dunkles Sehnen

Sie in tiefe Nacht hinaus,

Und es sprechen ihre Thränen,

Ihre Freuden sich nicht aus.

Aber wir mit kühnem Herzen

Halten fest, was in uns glüht,

Unsre Freuden, unsre Schmerzen

Hauchen wir ins warme Lied,

Weben sinnig unsre Worte

Zu der Saiten tiefem Klang,

Und lebendig im Accorde

Wird die Sprache zum Gesang.

Flach und kalt entflieht das Leben,

Läßt den Schwachen keine Wahl.

Nur des Starken echtes Streben

Folgt dem flücht'gen Ideal.

Darum singt in lauten Tönen

Was die Gunst der Musen schafft,

Und dem Edlen, und dem Schönen

Weihen wir des Bundes Kraft.