Wein her!

F. Abt

Merkt auf! Ich weiss ein neu Gedicht

Von einer hohen Schule,

Und wenn sie liegt am Neckar nicht,

So suchet sie in Thule.

Dort schwingt den Becher jung und alt,

Die Knaben, Männer, Greisen,

Und tausendstimmig hallt und schallt

Die alte, hehre Weise:

Chorus

Die Welt ist rund und muss sich dreh'n,

Was oben war, muss unten steh'n,

Wein her!"

Einst sprach der Rektor kummerschwer:

"Es will mich fast bedünken,

Als ob die Herrn Studenten mehr,

Als ihnen ziemet, trinken.

Laßt's Eure Sorge sein, Pedell,

Daß Maß die Jugend halte!"

Da eilte der Getreue schnell

Zur Schenke, wo es schallte:

(

Chorus

Es rann das groß Ausstichfaß

Im Schank zum goldnen Löwen;

Der Boden und der Tisch war naß

Von edlem Blut der Reben.

Der Herr Pedell kam, sah und trank

Erst Neuen und dann Alten,

Bis schwer das Haupt ihm niedersank

Und seine Lippen lallten:

(

Chorus

Tags drauf der Rektor zürnend sprach:

"Auch ihr zählt zu den Thoren;

Jetzt geht und ruft in mein Gemach

Die Herren Professoren." --

"Ihr werthen Herrn, nun steht mir bei,

Den uns vertrauten Seelen

Zu legen Suff und Völlerei

Und das verwünschte Gröhlen:"

(

Chorus

Es sassen bis nach Mitternacht

Beisammen die Hochweisen,

Und weil das Sprechen durstig macht,

Ließ man den Becher kreisen;

Und als der Herr Pedell sein Ohr

Genäh'rt der Thüre Spalte,

Fuhr er mit freud'gem Schreck empor,

Dieweil es drinnen schallte:

(

Chorus

Es war den Herrn am nächsten Tag

Im Kopfe etwas öde.

Von Schwelgerei und Zechgelag

War weiter nicht die Rede.

Studenten trinken und Senat

Seitdem in gleicher Weise,

Und himmelwärts schallt's früh' und spat

Aus lust'ger Zecher Kreise:

(

Chorus