Weit auf das Herz und lass den Frühling ein
F. Abt
Vom grünen Saatfeld steigt die Lerche wieder,
Mit hellem Sang zum blauen Himmelsdom,
Und tausendfach erwachen all die Lieder,,
Die einst erstarben, wie vom Eis der Strom;
Die Blümlein grüßen dich und leis und linde
Küßt milder West die blasse Wange dein --
Sorg', daß der Lenz zu dir den Weg auch finde,
Weit' auf das Herz und laß den Frühling ein!
Die Bächlein rauschen froh durch neue Lande,
Die Biene summt zum blütenreichen Thal,
Der Kukuk ruft versteckt vom Waldesrande
Und Licht und Leben ringsum allzumal.
Und hält der Winter noch den Geist umfangen,
Ist Noth und Jammer, hast du Sorge, Pein:
Getrost hinaus zur lichten Welt gegangen --
Weit' auf das Herz und laß den Frühling ein!
Denn die Natur, die bleibt die ew'ge, alte,
Und jeder Lenz bringt Trost dem Menschenherz,
Und wie sich dir die Zukunft auch gestalte,
Nicht immer Nacht, auch Licht, nicht immer Schmerz.
Lichtgrüne Welten, Bächlein, Lerchenlieder,
Und tausendfaches Leben, Sonnenschein,
Lieb' sie! du hast, dich hat die Erde wieder --
Weit' auf das Herz und laß den Frühling ein!