Wo Zwei sich gesehen zum letzten Mal

F. Abt

Wo Zwei sich gesehen zum letzten Mal,

Da glühet die Sonne im blutigen Strahl;

Da blühen im Lenz keine Röslein mehr,

Die Stelle bleibt immer verödet und leer,

Die Vöglein fliegen da stumm vorbei,

Und die Sterne gehn in die Wolken scheu.

Am Morgen nur fallet der Thränenthau

Leise hernieder vom Himmelsblau,

Und beim Ave-Läuten da wehet auch

Mit klagendem Tone ein Windeshauch;

Den können aber nur Zwei verstehn,

Die sich liebten und nun von einander gehn.

Das ist vom Scheiden das uralte Lied,

Und dem blutet das Herz den's bange durchzieht;

Da gibts keinen Trost, da heilt keine Zeit

Dahin ist der Lenz und der Friede so weit,

Das Herz bleibt allein in sehnender Qual,

Wo Zwei sich gesehen zum letzten Mal.