Wohl über Nacht

F. Abt

Es hat sich wieder Busch und Baum

mkit grünen Reisern angetan,

bei Mondenschein, im sel'gen Traum,

als sie den jungen Frühling sah'n.

Nun, alter Winter, sind wir quitt,

das erste Vöglein singt: Witt, witt!

Die Blütenknospen sind erwacht

wohl über Nacht, wohl über Nacht.

In Flur und Wäldern, Hain und Hag

wird Alles reg' und neu belebt,

sobald im Gold am frühen Tag

grüßend die Sonne sich erhebt.

Wonne bringt uns das Frührot mit,

das erste Vöglein singt: Witt, witt!

weil neue Lust und Liebe lacht

wohl über Nacht, wohl über Nacht.

O Frühlingsnahen, Frühlingsweh'n,

im allerersten Morgengrau'n,

wie sind doch deine Zauber schön,

als sollten Gott wir selber schau'n.

Wir wandeln leise Schritt für Schritt,

das erste Vöglein singt: Witt, witt!

Das Herz ist uns wie aufgewacht

wohl über Nacht, wohl über Nacht.