Doch lieben, Hans, kann ich dich nicht

F. Becker

Die Mutter hat mich jüngst gescholten,

Und vor der Liebe streng gewarnt:

"Noch jede ", sprach sie, "hat's entgolten:

Verloren ist, wen sie umgarnt!" -

Drum ist es besser, wie ich meine,

Wenn kein's von uns davon mehr spricht!

Ich bin zwar immer noch die Deine:

Doch lieben - Hans! kann ich dich nicht!

Vor Allem, Hans, vergiß mir nimmer,

Daß du nur mich zu lieben hast;

Mein Lächeln sei dir Lust nur immer,

Und jeder Andern Lächeln - Last.

Ja, um der Mutter nachzugeben,

Will ich mich, treu der Doppelpflicht,

Dir zu gefallen stets bestreben:

Doch lieben, Hans - kann ich dich nicht!

Bei jedem Feste, das wir haben,

Soll's meine größte Wonne sein,

Flicht deine Hand des Frühlings Gaben

Zum Schmucke mir in's Mieder ein.

Beginnt der Tanz - dann ist - wie billig -

Ein Tanz mit Gretchen deine Pflicht;

Selbst eifersüchtig werden will ich:

Doch lieben, Hans - kann ich dich nicht!

Und sinkt der Abend kühl hernieder,

Und ruh'n wir dann, recht mild bewegt,

Halt' immer mir die Hand an's Mieder,

Und fühle, wie mein Herzchen schlägt.

Und willst du mich durch Küsse lehren,

Was stumm dein Auge zu mir spricht,

Selbst das will ich dir nicht verwehren:

Doch lieben, Hans - kann ich dich nicht!