Studentengruß
F. Berner
Rasch von seiner Lagerstatt,
die ihn sanft gewieget hat,
rafft der Bursche sich empor;
aus den Fenstern ruft's im Chor:
Guten Morgen!
An das liebe Vaterhaus,
in die schöne Welt hinaus,
die ihm voll von Blumen steht,
sendet er sein Frühgebet:
Guten Morgen!
Wie er selbst vergnügt und frei
springt sein Bello laut herbei,
seine blanke Waffe winkt;
wie sie in der Sonne blinkt!
Guten Morgen!
Allem, was so früh sich regt:
Jude, der Dukaten wägt,
Kellnerin mit schlankem Leib,
Stiefelputzer, Kräuterweib;
Guten Morgen!
Aus dem Gasthaus, halb erst satt,
tretend, sieht er's durch die Stadt
schmunzelnd rollen zum Diner,
ob die Sonn' im Mittag steh'.
Guten Morgen!
Herzensbruder, weine nicht!
Kummer macht ein alt' Gesicht.
ist die Schwester bleich und tot,
denk' du an ein and'res Rot!
Guten Morgen!
Du mit zornigem Gesicht,
gib die Hand mir, drohe nicht!
Willst nicht? Geh du nur voran
jetzt, bis bald ich folgen kann.
Guten Morgen!
Also, wenn ins Vaterland
einst mich Pflicht und Würde bannt,
immer, wenn das Amt mich drückt,
wenn's Verweis von oben zückt -
Guten Morgen!
Brüder, aus der schönsten Zeit,
wenn das Alter uns beschneit,
Brüder, wenn wir schlafen geh'n,
wenn wir selig aufersteh'n:
Guten Morgen!
An der lieben Eltern Grab,
die mir Gott zu kurz nur gab,
an der Freunde früher Gruft
weht mich's tröstend an und ruft:
Guten Morgen!