Du sollst mich lieben

F. Bertram

Wir sitzen so selig unter dem Fliederbaum,

träumen von der Liebe wundersel'gen Traum;

rings in tiefem Schweigen ruht die Natur,

droben im Baume regt es sich nur.

Da singt die Nachgtigall so schön

Worte der Liebe. Kannst du's versteh'n?

Sie singt so flehend zu dir bang,

all meinen Kummer birgt ihr Gesang.

Hörst du das Singen, verstehst du den Schall?

„Du sollst mich lieben,“ singt die Nachtigall!

Kannst du mir's nicht sagen, dass du mich lieben musst?

Sagt dir's keine Stimme tief in deiner Brust?

Kannst du mir's nicht sagen, dass du mir gut,

pocht nicht dein Herzchen voll Liebesglut?

Doch du bleibst stumm, schaust mich nur an.

O nimm doch einmal von mir den Bann!

Sag' mir ein einzig liebes Wort,

und ich will's glauben dann immer fort.

Hörst du das Singen

etc.

Und als wir nun scheiden vom heimlich trauten Ort,

sprechen deine Lippen manches süße Wort.

Könnt' ewig dir lauschen, doch lass uns geh'n.

Gut' Nacht, mein Liebchen, auf Wiederseh'n!

Längst ruhst du sanft auf Kissen aus,

ich aber stehe noch vor deinem Haus,

möchte dich frag'n: „Bin ich dein Traum?

Hörst auch das Vöglein im Fliederbaum?“

Hörst du das Singen

etc.