Der Frühling

F. Danzi

Des Winters Hülle deckte

nicht mehr die öde Flur;

der Hauch des Lenzes weckte

die schlafende Natur.

Es wurden schon die Schatten,

es duftete der Pfad,

den Flora mit dem Gatten

jüngst, Hand in Hand, betrat.

Blauäugige Amoene,

ertönete mein Lied;

verändert ist die Szene,

der rauhe Winter flieht,

kein Nordwind drohet weiter

der zarten Haut Gefahr,

ein West, wie du so heiter,

spielt um dein blondes Haar.

Des Frühlings erste Blume,

komm, suche sie mit mir!

Zu Venus' Heiligtume

bring' ich sie dann mit dir,

dass sie das Denkmal kränze

des Dichters, dessen Lied

unsterblich, gleich dem Lenze,

dem er es weihte, blüht.

Dann schleichen wir zur Laube

bei meiner Flöte Schall;

dort girrt die Turteltaube,

dort ächzt die Nachtigall.

Dort wollen wir im Kühlen,

des Neides Aug' entrückt,

die Macht des Gottes fühlen,

der alles neu beglückt.

Sie teilte das Verlangen,

das meine Brust empfand;

es glüht' auf ihren Wangen,

es schlug in ihrer Hand.

Doch schnell benetzten Zähren

den unruhvollen Blick;

mit jungfräulichem Wehren

zog sie die Hand zurück.

Du weigerst dich, Amoene?

Ist's Misstrau'n? Ist es Scherz?

O trockne diese Träne,

du kennest Damons Herz!

Auch in verschwieg'nen Lauben

ist's, wie die Quelle, rein

und ohne Falsch, wie Tauben,

und ganz, Amoene, dein!