Mütterliche Warnung

F. Danzi

Selbst die glücklichste der Ehen,

Tochter, hat ihr Ungemach;

selbst die besten Männer gehen

öfters ihren Launen nach.

Wer sich von dem gold'nen Ringe

Gold'ne Tage nur verspricht,

o, der kennt den Lauf der Dinge

und das Herz des Menschen nicht.

Manche wirft sich ohne Sorgen

in des Gatten Arm wie du

und beweint am nächsten Morgen

ihre Freiheit, ihre Ruh.

Aus dem Sklaven ihrer Blicke

wird ein mürrischer Tyrann;

banger Kummer folgt dem Glücke,

das mit ihrem Traum zerrann.

Doch dein Glück dir selbst zu schaffen,

Tochter, steht in deiner Hand:

die Natur gab dir die Waffen,

gab dir Sanftmut und Verstand.

Lerne deines Gatten Herzen

liebevoll entgegengeh'n,

leichte Kränkungen verschmerzen,

kleine Fehler überseh'n.