Der gefallene Engel

F. David

Deinem Blitz, o Gott, musst' ich weichen!

In den Abgrund des Nichts

vermag den Sohn des Lichts

dein Ingrimm dennoch nicht zu schleudern.

Besiegt, gestürzt floh ich deines Throns heil'ge Schwelle,

doch bleibt mir nun die Hölle;

ein reiches Erbe nenn' ich mein.

Herrsch' in der Himmel gold'nen Höhen,

Jubel der Seraphim,

Hymnen der Cherubim,

schmeichelnd mögen sie dich umschweben!

Das heis're Wutgeschrei, durch Martern abgedrungen.

der Läst'rung Fluch von tausend Zungen,

ha, wie sie wonniglich mein trunken Ohr umfluten,

wenn Tag für Tag von deiner Hand

ein Schwarm von Sündern wird gesandt

zum Pfuhle ew'ger Gluten!

Doch wie? Jene blendende Pracht

am hohen Himmelsthrone,

die dreifach hehre Krone

der unbesiegten Macht,

das Glück der Engelschar, zur Seligkeit erkoren,

für mich ist es dahin, weh' mir,

immerdar mir verloren!

Und sterben kann ich nicht, bin verflucht und vermaledeit.

Und nimmer kann ich schau'n des ew'gen Lichtes Sonnen,

entrissen sind sie mir, die unnennbaren Wonnen

für die ganze Ewigkeit!

Ha, so sei es! Gott, ich hasse dich!

Um zu herrschen, empört' ich mich;

du ließest mir der Hölle Thron.

Wohlan denn! Süßer ist es mir

zu herrschen in diesen dunkeln Hallen,

denn als ein Sklave an deinem Thron zu steh'n!

Möge jeder denn walten

als Gott in seinem Reich!

Teilen wir die Gewalten,

bin ich an Macht dir gleich,

und zwanglos kann ich schalten

in meinem Höllenreich!