Adventslied

F. Draeseke

Dein König kommt in niedern Hüllen,

Ihn trägt der lastbarn Es'lin Füllen,

Empfang ihn froh, Jerusalem!

Trag ihm entgegen Friedenspalmen,

Bestreu den Pfad mit grünen Halmen!

So ists dem Herrn angenehm.

O mächt'ger Herrscher ohne Heere,

Gewalt'ger Kämpfer ohne Speere,

O Friedensfürst von großer Macht!

Es wollen dir der Erde Herren

Den Weg zu deinem Throne sperren,

Doch du gewinnst ihn ohne Schlacht.

Dein Reich ist nicht von dieser Erden,

Doch aller Erde Reiche werden

Dem, das du gründest, unterthan.

Bewaffnet mit des Glaubens Worten,

Zieht deine Schaar nach den vier Orten

Der Welt hinaus, und macht dir Bahn.

Und wo du kommest hergezogen,

Da ebnen sich des Meeres Wogen,

Es schweigt der Sturm, von dir bedroht.

Du kömmst, auf den empörten Triften

Des Lebens neuen Bund zu stiften,

Und schlägst in Fessel Sünd' und Tod.

O Herr, von großer Huld und Treue,

O komme du auch jetzt aufs neue

Zu uns, die wir sind schwer verstört.

Noth ist es, daß du selbst hienieden

Kommst zu erneuen deinen Frieden,

Dagegen sich die Welt empört.

O laß dein Licht auf Erden siegen,

Die Macht der Finsternis erliegen,

Und lösch der Zwietracht Glimmen aus;

Daß wir, die Völker und die Thronen,

Vereint als Brüder wieder wohnen

In deines großen Vaters Haus!