Hochflut

F. Draeseke

Ich steh am Strom um Mitternacht.

Er drängt die Wogen, die vollen,

Durch steinerne Pfeiler mit Macht, mit Macht,

Und treibt ans Ufer die Schollen.

Vom Bergland treibt die Hochflut her

Mit mächtigem wildem Rauschen,

Sie drängt hernieder, herab zum Meer.

Ich muss dem Klange lauschen.

Im Herzen braust mir Hochflut auch.

Ich fühle die stolzen Wellen,

Den mächtigen, eiszersprengenden Hauch,

Das Drängen und Überschwellen.

Ich hab dem vollen Klang gelauscht

Und frag' mich froh gemutet

Woher der Liebesstrom gerauscht,

Wohin er treibt und flutet?

Er kommt, er kommt, von dir daher

Und will bei dir auch schliessen.

O wunderbar, dass Quell und Meer

In Eins zusammenfliessen!