Wie aus dürstender Blüte
F. Draeseke
Wie aus dürstender Blüte dennoch dringt
Ein süsser erquickender Duft,
Aus verhallenden Saiten ein Ton sich schwingt
Und voll durchzittert die Luft,
So ringt sich aus Zweifeln ernst und kühl,
Dir eigen geworden schon,
Das alte volle warme Gefühl:
Der heilige Herzenston.
Doch sieh, der Duft verhaucht ins All,
Die Blüte stirbt in Glut.
Weit tragen die Winde den flüchtigen Schall,
Die Saite verstummt und ruht.
Doch Herzenstöne und Herzenswort,
Sie treffen ein andres Herz,
Sie dringen ein und sie hallen dort
Wie mächtiges Glockenerz!
Sie wecken Stunden heilig geweiht,
Die bangende Sehnsucht, das Glück.
Sie rufen die alte selige Zeit
Der ersten Jugend zurück.
Und heilige Gewissheit bricht
Durch alter Zweifel Not,
Und wie das Herz zum Herzen spricht:
Mein bist du über den Tod!